Trauern im Internet

Hat das Internet die Art und Weise wie wir trauern verändert? Wenn man sich im Netz umschaut, muss die Frage für zahlreiche Menschen bejaht werden. Hieraus ergeben sich neue Probleme, an die bisher kaum jemand gedacht hat.

Wer Informationen sucht wird fündig. Zahlreiche Websites geben Ratschläge, verteilen Infos und Kontaktadressen. Auch die großen Kirchen stellen sich auf diesen Trend ein. Die evangelische Kirche bietet mit trauernetz.de ein solches Angebot. Hier finden sich viele, einfühlsam formulierte Informationen zu den Themen Tod und Trauer, die für Betroffene hilfreich sein können. Gebete, Lyrik und Meditationen ergänzen dass Angebot.

Ein seit Jahren zunehmender Trend sind Gedenkseiten und virtuelle Friedhöfe. Hier können Gedenkanzeigen für Verstorbene eingerichtet, virtuelle Kerzen angezündet und eine Rückschau auf das Leben des Verstorbenen geteilt werden. Viele dieser Portale werden kommerziell betrieben und so verwundert es nicht, wenn es neben der kostenlosen auch eine Premiumgedenkseite für 39 € gibt. Manche Portale versprechen ein Gedenken in alle Ewigkeit. Zweifel dürfen angebracht sein. Was passiert, wenn die Seite nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann?

RoseAus der Trauerforschung wissen wir, dass Trauer Veröffentlichung braucht. In einer Gesellschaft, die diese Themen nicht wahrnehmen möchte, fällt es Trauernden oft schwer, Ansprechpartner zu finden, denen sie sich anvertrauen können. Wenn zunehmend Menschen über soziale Medien kommunizieren, werden sie diesen Weg auch für ihre Trauer suchen. Auch wenn nicht jeder von uns dies nachvollziehen kann, ist die Hemmschwelle, eigene Gefühle im virtuellen Raum zu äußern, manchmal geringer als im direkten Kontakt. Und es erstaunt immer wieder, wie viele persönliche Informationen auf solchen Gedenkseiten preisgegeben werden. Ob der Verstorbene das in jedem Fall gut geheißen hätte?

Typische Formen der Arbeit mit Social Media werden auch in diesem Themenbereich genutzt. Das Institut für Kommunikation in sozialen Medien hat im Oktober 2012 zu einer Blogparade „Tod und Trauer im Internet“ aufgerufen. Bei einer Blogparade gibt ein Blogger ein Thema vor und andere vernetzte Blogger beschreiben auf ihren Blogs ihre Ansichten dazu. Einige interessante Ergebnisse waren dabei.

Beizeiten über rechtliche Probleme nachdenken

Haben Sie schon mal überlegt, was aus ihren Social Media Accounts werden soll, wenn Sie sterben? Was ist mit den zahlreichen Informationen die über Sie bei Amazon gespeichert sind? Worum müssen Angehörige sich kümmern, welche Rechte und Pflichten haben sie und was sind meine eigenen Vorstellungen zu diesem Thema. Möchten Sie  auf einer Gedenkseite verewigt werden oder nicht und wenn ja, mit welchen Informationen und mit welchen bitte schön nicht. Brauchen wir in Zukunft tatsächlich ein „digitales Testament“? Auf Bitkom.de kann man sich über rechtliche Probleme informieren. Welche Regelungen bei Facebook und Google+ für den Todesfall vorgesehen sind, wird unter diebeckerin.de übersichtlich beschrieben. Auch kommerzielle Angebote zu Regelung des digitalen Nachlasses gibt es inzwischen, die z.T. auch von Beerdigungsinstituten vermittelt werden. Das digitale Erbe-Online-Paket für Privatkunden verspricht hier einfache und kompetente Hilfe.

Für die Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, ergeben sich neue Möglichkeiten, mit ihrer Trauer im virtuellen Raum umzugehen. Als ergänzende Angebote können sie im Einzelfall sinnvoll sein. Dass nach wie vor ein lebendiges Gegenüber in der Zeit der Trauer wichtig ist, zeigen die zunehmenden Anfragen nach persönlicher Begleitung in unseren Hospizdiensten.

Links zum Beitrag:

Trauernetz.de – ein Angebot der EKD
infrieden.de – ein Beispiel für eine Gedenkseite
Blogparade Tod und Trauer im Internet auf ikosom.de
digitalen Nachlass regeln – bitkom.de
das digitale Erbe-Online-Schutzpaket für Privatkunden

Angebote des Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh e.V.:

Begleitung in der Zeit der Trauer
Trauer Leben

 

Bildnachweis: eyetronic – Fotolia.com

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