Chemotherapie am Ende des Lebens – weniger ist oft mehr

Die Amerikanische Krebsgesellschaft hat in einer Stellungnahme 2012 festgestellt, dass der Verzicht auf Chemotherapie in der letzten Phase des Lebens einen entscheidenden Faktor darstellt, um die Versorgung von Krebspatienten zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu sparen. Mehrere Untersuchungen bestätigen diese Feststellung und mahnen zu einem kritischeren Umgang mit eingreifenden Maßnahmen und zu einer verbesserten Kommunikation am Ende des Lebens.

Eine Studie bei Patienten mit Bronchialkarzinom untersuchte den Verlauf mit zwei unterschiedlichen Interventionen. Die erste Patientengruppe erhielt die übliche Chemotherapie und die begleitende Medikation, die zweite Gruppe wurde gleich nach Diagnosestellung sowohl onkologisch (wie in der ersten Gruppe auch) aber zusätzlich auch palliativmedizinisch behandelt.

In der palliativmedizinisch mitbehandelten Gruppe war die Überlebenszeit um etwa zwei Monate verlängert. Gleichzeitig erhielten die Patienten weniger aggressive Therapieformen in der letzten Zeit ihres Lebens. Erklären kann man den Unterschied durch die bessere Kommunikation über Therapie- und Lebensziele, die Bestandteil der palliativmedizinischen Begleitung war. Die moderate, mehr auf Linderung und Begleitung orientierte Therapie führte zu weniger Nebenwirkungen, wodurch die Prognoseverbesserung verständlich wird.

Mehr Lebensqualität durch palliativmedizinsche Begleitung

Aber auch bezüglich der psychischen Situation der Patienten war die Begleitung durch Palliativmediziner hilfreich und effektiv. Die Patienten zeigten eine verbesserte Lebensqualität und weniger Depressionen im Vergleich zur Gruppe mit alleiniger onkologischer Therapie. Absprachen zur Therapiebegrenzung, Verzicht auf intensivmedizinische Maßnahmen und Patientenverfügungen waren Inhalt der palliativmedizinischen Betreuung und konnten offensichtlich zu einem verbesserten Umgang mit der Erkrankung beitragen.

Ein andere Studie untersuchte die Konsequenzen der Chemotherapie am Ende des Lebens bezüglich der medizinischen Konsequenzen und bezüglich des Ortes des Todes. Im Vergleich zu Patienten, die keine Chemotherapie in den letzten Monaten des Lebens erhielten, mussten die chemotherapeutisch behandelten Patienten häufiger Aufenthalte auf Intensivstationen, künstliche Beatmung und Ernährung sowie Wiederbelebung in Kauf nehmen. Auffällig war, dass in der Gruppe der nicht behandelten Patienten mehr Menschen zu Hause sterben konnten als in der Behandlungsgruppe. Bezüglich der Überlebenszeit gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen.

Fast man die Ergebnisse zusammen, so bleiben als wichtige Erkenntnisse:

Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung profitieren von einer frühzeitigen palliativmedizinischen Betreuung bezüglich Lebensqualität und Überlebenszeit.

Chemotherapie am Ende des Lebens bedeutet oft ein Mehr an intensivmedizinische Behandlung mit aufwendigen, kostspieligen und belastenden Verfahren bei zweifelhaftem Benefit.

Die intensiv behandelten Patienten verpassen oft die Chance der rechtzeitigen Entlassung aus dem Krankenhaus, um zu Hause sterben zu können.

Weniger Chemotherapie und rechtzeitige, offene Kommunikation über Lebens- und Therapieziele können von erheblichen Nutzen für Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung sein.

 

Literatur

Schnipper LE et al.
American Society of Clinical Oncology identifies five key opportunities to improve care and reduce costs
J Clin Oncol., 2012, 30(14):1715-24

Temel, JS et al.
Early Palliative Care for Patients with Metastatic Non-Small-Cell Lung Cancer
New Engl. J.Med., 2010, 363: 733-742

Wright AA et al.
Associations between palliative chemotherapy and adult cancer patients‘ end of life care and place of death: prospective cohort study
BMJ 2014, 348: g1219

 

 

Bildnachweis: pixabay.com

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