Perspektiven der Hoffnung

Eine Forschergruppe aus den Niederlanden hat sich mit der Frage beschäftigt, wie Mitarbeiter des Gesundheitswesens das Prinzip Hoffnung bei ihren Patienten wahrnehmen. Ärzte und Pflegende waren an den Untersuchungen beteiligt. 31 Studien zu diesem Thema konnten ausgewertet und interpretiert werden.

Hoffnung kann beschrieben werden als eine positive Erwartung in Bezug auf zukünftige, wünschenswerte Ziele, in der Möglichkeit, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben oder im Bewahren einer hoffnungsvollen Grundhaltung.

Zahlreiche Studien haben sich mit der Wahrnehmung und Bedeutung der Hoffnung aus der Sicht der Betroffenen beschäftigt. Aber nur wenig war bisher darüber bekannt, wie Ärzte oder Pflegende dieses Thema bei ihren Patienten wahrnehmen und wie sie darüber kommunizieren.

Dabei wurden jetzt drei verschiedene Perspektiven deutlich, aus denen heraus Ärzte und Pflegende Hoffnung bei ihren Patienten wahrnehmen. Zunächst wurde eine realistische Perspektive beschrieben, die aus der Sicht der Betreuer an realistischen Zielsetzungen orientiert sein sollte. Die Kommunikation realistischer Ziele und die Aufrechterhaltung von Hoffnung kann natürlich zu Konflikten führen, wenn eine offene Kommunikation über unrealistisch gewordene Ziele Hoffnung zerstört. Hier eine Balance zwischen Hoffnung und Wahrheit zu finden, wurde oft als eine schwierige Herausforderung gesehen.

Aus einer funktionalen Perspektive heraus stellt das Aufrechterhalten von Hoffnung einen Faktor dar für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit Krankheit, Belastungen und Therapie darstellen. In dieser Hinsicht kann Hoffnung zur Aufrechterhaltung von Motivation und Wohlbefinden und damit zur Ermöglichung eines normalen Lebens trotz schwerer Krankheit beitragen.

Die dritte, die narrative Perspektive erlebt Hoffnung in der Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, der Frage, wie Patienten ihrem Leben und ihrer Krankheit einen Sinn geben können. Die Beschäftigung mit der eigenen Spiritualität und mit Fragen nach einem Leben nach dem Tod werden hier bedeutsam.

Hospizmitarbeitern ist vieles von dem was hier beschrieben wird bekannt. Sie erleben in ihren Begleitungen die verschiedenen Dimensionen von Hoffnung und wie Hoffnung sich im Verlaufe einer Erkrankung wandeln kann. Insbesondere wenn eine ursprünglich wichtige Form von Hoffnung nicht mehr trägt, wenn erhoffte Ziele nicht mehr realistisch sind, werden auch Phasen von Hoffnungslosigkeit erlebt, in denen das Dasein eines Anderen als tröstend und vielleicht auch fördernd für eine neue Orientierung sein kann.

Ärzte müssen ihre Perspektiven erweitern!

Interessant finde ich einen Hinweis am Rande, wonach in Studien, die ausschließlich die Sicht der Ärzte zu diesem Thema beschrieben haben, die dritte Perspektive nicht vorkommt. Für die Betroffenen ist es aber wichtig, das mehr als eine Perspektive kommuniziert werden kann. Patienten wollen ihre Hoffnungserwartungen nicht nur auf die medizinisch relevanten Perspektiven und die Krankheitsverarbeitung beziehen, sondern brauchen den erweiterten Blick, der auch die Fragen nach Sinn und Bedeutung einschließen.

Eine gute Kommunikation setzt daher auf ärztlicher Seite voraus, die Wahrnehmung für diese Bereiche zu öffnen. Dabei stellt sich für die Begleiter die Frage nach den eigenen Quellen von Hoffnung und den eigenen Möglichkeiten, mit Hoffnungslosigkeit umzugehen. Nur wenn Begleiter,  Ärzte und Pflegende sich in Bezug auf ihr eigenes Leben diesen Fragen öffnen, können sie hilfreiche Gesprächspartner für schwer erkrankte Menschen werden.

Wir sollten unseren Patienten auf ihrem Weg möglichst viele Begegnungen mit hoffnungsvollen Ärzten, Pflegenden und Begleitern wünschen!

Literatur:

Olsman e. Et al.:
Should palliative care patients‘ hope be truthful, helpful or valuable?
An interpretative synthesis of literature describing healthcare professionals‘ perspectives on hope of palliative care patients.
Palliative Medicine 2014 (28) 59-70

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