Ehrenamt

Ehrenamtlich arbeiten fördert Gesundheit und Wohlbefinden

Möchten Sie etwas für andere Menschen tun, dann engagieren Sie sich ehrenamtlich. Möchten Sie etwas für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden tun, dann sollten Sie sich ebenfalls ehrenamtlich engagieren. Das sagen Studien, die sich mit dem Thema Ehrenamt, Gesundheit und Wohlbefinden beschäftigen. Und zu diesen Themen gibt es inzwischen eine Reihe von Untersuchungen.

Um zu diesem Thema forschen zu können, benötigt man zunächst eine Definition von Ehrenamt. Eine einheitliche, allseits akzeptierte Definition gibt es nicht. Das Ehrenamt ist eine freiwillige, am Gemeinwohl orientierte, unbezahlte, selbst- oder mitbestimmte Aktivität oder Arbeit in einer entsprechenden Organisation. Spezielle fachliche Qualifikationen werden nicht vorausgesetzt. Nicht unter den Begriff ehrenamtliche Tätigkeit fallen in der Regel Tätigkeiten im Bereich der Familienhilfe oder der Selbsthilfe.

Nach den Daten des vierten deutschen Freiwilligensurveys sind 43,6 % der Bevölkerung über 14 Jahren ehrenamtlich tätig. Männer sind gering stärker vertreten, wobei der Anteil der Frauen steigt und die geschlechtsspezifischen Unterschiede kleiner werden. Nach anderen Untersuchungen sind Frauen im sozialen Bereich deutlich überrepräsentiert. Insgesamt hat die Bereitschaft zum Engagement in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Lediglich die Bereitschaft, im Ehrenamt Leitungsfunktionen (z.B. Vorstandsarbeit) wahrzunehmen, ist rückläufig.

Wie kann man solche Fragestellungen erforschen?

Die Studien zum Thema Ehrenamt und Gesundheit sind zum Teil aufwändig gestaltet. Es gibt einzeitige Untersuchungen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ehrenamtlich Tätige mit nicht ehrenamtlich Tätigen vergleichen. Dabei müssen verschiedene andere gesundheitsrelevanten Merkmale dieser Patienten statistisch mit erfasst werden. Interessanter sind Langzeituntersuchungen, bei denen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe im Abstand von einigen Jahren erneut befragt wird.

Eine dieser Studien ist die „Asset and Health Dynamics Among the Oldest Old Study (AHEAD)“, die in den USA regelmäßig durchgeführt wird. Hierbei werden Fragen gestellt zu den Themen körperliche Gesundheit, Funktionsfähigkeit im Alltag, Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, ärztlich erhobene Diagnosen, Familienstrukturen und Fragen zum ehrenamtlichen Engagement. Diese Daten wurden in einer Untersuchung zum Ehrenamt zwei mal im Abstand von sieben Jahren erhoben.

Ehrenamtlich Tätigen geht es besser

Die Ergebnisse aus unterschiedlichen Studien ergaben ähnliche Erkenntnisse. Die von den Betroffenen selbst eingeschätzte Gesundheit war in der Ehrenamtsgruppe deutlich höher als in den Vergleichsgruppen. Vergleicht man diese gesundheitliche Selbsteinschätzung mit der Anzahl der festgestellten Krankheitsdiagnosen, zeigte eine Studie keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Das muss nicht unbedingt als Widerspruch interpretiert werden. In der Gruppe der Ehrenamtler waren die Fähigkeiten, mit Krankheiten im Alltag zurecht zukommen besser als in der Vergleichsgruppe. Wir sprechen hier von einem verbesserten Coping-Verhalten.

Für die Gruppe der ehrenamtlich Tätigen ergab sich in mehreren Studien ein Überlebensvorteil. Der Unterschied betrug in einer Studie etwa 5 Jahre, in einer anderen Studie lag der Überlebensvorteil zwischen den Wiederholungsuntersuchungen bei 22 %.

In der Einschätzung der Funktionsfähigkeit im Alltag, die gerade für ältere Menschen wichtig ist, zeigten sich deutliche Vorteile für das Ehrenamt. Auch das seltenere Auftreten von Depressionen und die Verbesserung der Lebensqualität durch ehrenamtliche Tätigkeiten war nachweisbar. In den meisten Studien waren diese Daten unabhängig vom sozioökonomische Status, Familienstand und der Art und Anzahl der Organisationen, in denen man tätig war.

Deutliche Unterschiede im Verlauf des Lebens

Zwei Studien beschäftigten sich mit dem Lebensverlauf und der Bedeutung der ehrenamtlichen Tätigkeit. Die positiven Auswirkungen zeigten sich im mittleren bis hohen Alter, weniger ausgeprägt im jüngeren Erwachsenenalter. Hierfür gibt es plausible Erklärungen. Im mittleren und höheren Alter wird diese Tätigkeit als sinnvolle und willkommenen Aufgabe gesehen. Hier stehen mehr Zeitressourcen zur Verfügung. Im jüngeren Alter stellt das Ehrenamt eine zusätzliche Belastung neben den verschiedenen Anforderungen in Beruf und Familie dar.

Gibt es Erklärungen für diese Ergebnisse?

Ansätze für die positiven Wirkungen des Ehrenamts lassen sich aus den verschiedenen Theorien über das Ehrenamt ableiten.

Menschen engagieren sich, um Neues zu Lernen (skills), sich selbst weiter zu entwickeln, das Selbstwertgefühl zu verbessern  oder sich auf eine Karriere vorzubereiten. Hier stehen Motivationen im Vordergrund der Betrachtung.

Werte und Haltungen, die sich auf die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements, der eigenen Verantwortung für Wohltätigkeit beziehen, waren in den Studien Gegenstand der Betrachtung.

Auch Persönlichkeitsmerkmale spielen eine Rolle. Hier werden Haltungen, wie Empathie, Hilfsbereitschaft, Altruismus genannt.

Im Rollenidentitätsmodell führt Engagement im Ehrenamt zu einer positiv besetzten Rolle. Diese erfährt durch die eigene persönliche Umgebung, die Öffentlichkeit und die Politik eine positive Aufwertung.

Eine überzeugende, kausale Begründung für den Zusammenhang zwischen Ehrenamt, Gesundheit und Wohlbefinden gibt es allerdings bisher nicht.

Und was bedeutet dies für die Hospizarbeit?

Wir finden in den Studien viele Daten, die unsere Beobachtungen im Alltag bestätigen. Hospizarbeit als soziale Arbeit wird überwiegend von Frauen geleistet. Auch im hospizlichen Bereich engagieren sich häufig Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Die Untersuchungen zu Lebensverläufen und Ehrenamt machen deutlich, warum das so ist und dass dies kein hospizspezfisches Problem darstellt.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Engagement lassen sich im Alltag nicht sicher beurteilen. Wir beobachten allerdings regelmäßig, dass die Hospizarbeit zur persönlichen Entwicklung beiträgt, die eigene Auseinandersetzung mit Krankheit, Tod und Sterben fördert, Gelassenheit erzeugt und damit wohl auch zur Lebensqualität beiträgt.

 

Weitere Informationen:

Deutscher Freiwilligensurvey (FWS)

Glücksforscher: Darum macht Ehrenamt glücklich

Das Ehrenamt – die Stütze der Hospizbewegung

 

Bildnachweis: Pixabay

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