Unwort des Jahres: „mittlere Verweildauer“

Lange haben wir überlegt, was wohl in unserem Bereich das Unwort des Jahres sein könnte.  In die nähere Auswahl kamen: „Fallpauschalen-verträgliches Frühableben“, „Palliativkomplexziffern“, die uns eine noch komplexere und ausufernde Bürokratie zur Abrechnung unserer Palliativpatienten im Krankenhaus beschert haben, „qualitätskontrolliertes Sterben“ oder „Casemanagement am Ende des Lebens“ waren einige würdige Kandidaten.

Letztlich haben wir uns für die mittlere Verweildauer entschieden. Wir bereits in einem früheren Beitrag erläutert, ist dies eine der Grundkennziffern für ein wirtschaftliches Abrechnen von medizinischen Leistungen im Krankenhaus.

Durch das DRG-Entgeltsystem, das die Aufwendungen im Krankenhaus über Fallpauschalen abbildet, ist die Versorgung schwer kranker und sterbender Patienten für die Kliniken ein finanzielles Problem geworden. Da die Fallpauschalen unabhängig von der Länge des Aufenthaltes berechnet werden, sind viele Kliniken gezwungen die Liegezeiten in den einzelnen Abteilungen drastisch zu senken.

So bekommen die Mitarbeiter fast täglich von ihren Verwaltungen vorgerechnet, mit welchen Patienten das Krankenhaus Gewinn erwirtschaften kann (bis zur mittleren Verweildauer nach DRG) und ab wann ein Patient nur noch ein sog. „Cost-Lyer“ ist (auch so ein Unwort), also ein Patient, der aufgrund seiner langen Verweildauer Defizite einfährt und schnellst möglich entlassen werden muss.

Gerade für Palliativpatienten führen diese Entwicklungen zu katastrophalen Konsequenzen. Verlegungen schwerkranker Patienten in andere Institutionen (aus Kostengründen) sind in unserem Gesundheitssystem durchaus an der Tagesordnung. Eine Änderung ist nicht in Aussicht, Politik und Kostenträger schalten auf stur.

 

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