Krebs in Deutschland – neue Zahlen des RKI

Im Jahr 2010 sind in Deutschland 252.400 Männer und 224.900 Frauen an Krebs erkrankt. Die Zahlen können in einer aktuellen Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts (RKI) nachgelesen werden. Neben erfreulichen Fortschritten bestätigen die Zahlen aber, dass eine Verbesserung in der Behandlung von Krebserkrankungen nur langsam voran kommt.

Lunge, Darm und Prostata sind die häufigsten Krebslokalisation bei Männern – Brustdrüse, Lunge und Darm bei den Frauen. Wie erwartet ist die Anzahl der Krebspatienten zwischen 2000 und 2010 angestiegen. Dies ist bedingt durch eine älter werdende Gesellschaft. Viele Krebserkrankungen sind Alterserkrankungen, die nach dem 60 Lebensjahr vermehrt auftreten.

Erkrankungsraten_nach_Alter

Erkrankungsraten nach Alter und Geschlecht, je 100.000, Quelle RKI

Weiterhin sind Männer häufiger an Krebs erkrankt als Frauen. Die Ursachen sind nur zum Teil erforscht. Ein wesentlicher Faktor liegt aber in dem risikobehafteten Verhalten von Männern gegenüber ihrer Gesundheit. Sie nehmen Vorsorgemaßnahmen seltener und professionelle Hilfe bei Beschwerden später in Anspruch als Frauen. Immerhin sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den letzten Jahrzehnten geringer geworden. Beim Lungenkrebs ist der Trend allerdings seit Jahren umgekehrt. Während die Neuerkrankungen bei Männern rückläufig sind, steigen sie bei Frauen weiter an. Nach Meinung des RKI kann dieser Trend auf die bereits seit längerem zurückliegende Veränderung der Rauchgewohnheiten zurückgeführt werden und wird sich vermutlich noch weiter fortsetzen.

In den letzten drei Jahrzehnten hat es Fortschritte in der Behandlung gegeben. Betrugen die 5-Jahres-Überlebenszeiten, d.h. die Anzahl der Personen die ihre Krebserkrankung 5 Jahre nach der Diagnose überlebt haben, 1980 50 % bis 53 % für Frauen und 38 % bis 40 % für Männer, so finden sich für Patienten, die 2009 und 2010 erkrankten, 5-Jahres-Überlebensraten von 61 % für Männer und 67 % für Frauen (geschätzt).

In den letzten Jahren hat sich hieran aber weniger verändert, als man nach den vielen optimistischen Veröffentlichungen in den Medien vermuten könnte. Der große Durchbruch lässt weiter auf sich warten und Fortschritte erfordern mühsame wissenschaftliche Kleinarbeit – und das trotz aller Forschung über Gen- und Immuntherapien, Einsatz von Nanopartikeln, Stammzelltransplantation etc., um nur einige Stichworte zu nennen, die fast täglich auch in der Laienpresse zitiert werden.

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist in Deutschland zwischen 2010 und 2030 mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um gut 20 % zu rechnen. Die Anzahl der Patienten, die letztlich am Ende ihres Lebens auf hospizliche und palliative Begleitung und Versorgung angewiesen sein werden, wird zunehmen. Es bleibt zu hoffen, dass die von politischer Seite so oft beschworene Wertschätzung der Hospizarbeit und Palliativmedizin auch zu konkreten Verbesserung der Strukturen in diesem Bereich führen wird. Im neuen Koalitionsvertrag der großen Koalition sind die Bereiche Hospiz und Palliativmedizin zumindest am Rande als förderungswürdig erwähnt.

 

Weitere Informationen:

Pressemitteilung des RKI
Download des Berichts „Krebs in Deutschland 2009/2010“ im PDF-Format
 weitere Daten und Informationen zu Krebserkrankungen
Kurzfristige Prognosen der Krebsmortalität in Deutschland bis 2015
Ärzte begrüßen geplanten Ausbau der Palliativmedizin

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