Essen und Trinken am Lebensende

Wenn über Essen und Trinken am Lebensende gesprochen wird, treten in der Diskussion oft die Probleme, die in der letzten Lebensphase krankheitsbedingt auftreten (Übelkeit, Erbrechen) und die eine normale Nahrungsaufnahme behindern können, in den Vordergrund. Essen und Trinken haben aber nicht nur die Funktion der Kalorien- und Flüssigkeitsaufnahme, sondern haben für das Leben des kranken Menschen vielfältige Bedeutungen. Nicht nur die Probleme, sondern auch die Ressourcen, die sich hieraus für die Gestaltung des Lebens in seiner letzten Phase ergeben können sollten wahrgenommen werden.
Viele Aspekte prägen demnach unsere Entscheidungen über Essen und Trinken am Lebensende:

  • Essen und Trinken als Lebenserhalt, zur Erhaltung der Gesundheit
  • genießen, sehen, riechen, schmecken, Lebensfreude und Lebensqualität
  • Geselligkeit, Kommunikation, Zuneigung, Fürsorge für den Kranken
  • kulturelle und erzieherische Aspekte, die unser Verhältnis zu Essen und Trinken prägen.

Einige Aspekte beziehen sich auf den rein körperlichen Bereich beziehen. Eine mindestens ebenso starke Gewichtung liegt auf den Aspekten, die dem psychischen, sozialen und spirituellen Bereich zuzuordnen sind. Hieraus ergeben sich in der Begleitung viele Ansätze zur Förderung von Lebensqualität und Zufriedenheit, die mit viel Kreativität genutzt werden können. Bei fortschreitender Erkrankung und Annäherung an den Tod sollten die Begleiter achtsam wahrnehmen, wann der Patient sich von welchen Aspekten verabschieden muss oder möchte.

Um beurteilen zu können, was wir am Ende des Lebens tun müssen und lassen dürfen, sollten einige medizinische Fakten bekannt sein:

Hunger tritt am Lebensende selten auf. Auch schwerkranke Menschen können geringe Mengen an Nahrung zu sich nehmen, die völlig ausreichend sind, um das meist ohnehin geringe Hungergefühl zu stillen. Dies gilt oft auch dann, wenn schwere Störungen, z.B. ein vollständiger Darmverschluss vorliegen.

Durst kann durch Infusionen kaum gelindert werden, da zahlreiche Medikamente, die am Ende des Lebens notwendig sind (Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit etc.) hierzu beitragen. Wichtiger ist für diese Menschen eine regelmäßig, gute Mundpflege.
Kräfteverfall und Gewichtsverlust bei schwerkranken Menschen (Kachexie) lassen sich durch eine intensive künstliche Ernährung z.B. über Sonden oder Infusionen nicht aufhalten, da nicht die vermindert Zufuhr, sondern der gestörte Stoffwechsel entscheidend ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn die zu Grunde liegende Erkrankung, z.B. eine Tumorerkrankung nicht mehr ursächlich behandelt werden kann.

Auch bei bewusstlosen, sterbenden Menschen ist eine Flüssigkeitszufuhr nicht generell notwendig und sollte im Einzelfall kritisch abgewägt werden.

Maßgebend bei allen Entscheidungen über Essen und Trinken am Ende des Lebens ist der Wille des betroffenen Menschen. Dies setzt eine rechtzeitige und offene Kommunikation und Information voraus; die Ergebnisse sollten dann dokumentiert und z.B. in Form einer Patientenverfügung festgehalten werden.

Probleme in diesem Bereich betreffen aber niemals nur einen einzelnen Menschen, sondern auf Grund der zahlreichen psychischen und sozialen Aspekte immer auch Angehörige und Freunde. Diese sollten, wenn es dem Willen des Patienten entspricht, mit einbezogen werden.

Eine offene Kommunikation aller Beteiligten ist insbesondere dann nötig, wenn ein Mensch bewusstlos ist, und seinen eigenen Willen nicht mehr äußern kann und nach dem mutmaßlichen Willen entschieden werden muss. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegenden, Ärzten, Angehörigen, Freunden, Begleitern im Interesse des sterbenden Menschen muss angestrebt werden.

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