Patientenverfügung und Organtransplantation

In einem früheren Beitrag habe ich über den möglichen Zusammenhang zwischen der geringen Organspendenbereitschaft  und der Zunahme der Bedeutung von Patientenverfügungen berichtet. Tatsächlich sollte man beim Abfassen einer Patientenverfügung berücksichtigen, dass ein gleichzeitig vorliegender Organspendenausweis, der die Bereitschaft zur Organspende beinhaltet, mit bestimmten Regelungen in einer Patientenverfügung kollidieren kann. Deshalb hier einige Hinweise, die zu überlegen sind.

Die Bundesärztekammer hat sich zu dieser Problematik in einem Arbeitspapier zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeerklärung geäußert:

Patientenverfügung und Organspendeerklärung sind Mittel, den Patientenwillen festzustellen. Der Patient hat beide Erklärungen verfasst. Daher müssen beide bei der Feststellung des Patientenwillens berücksichtigt werden.

Die Organentnahme zur Organspende setzt den Hirntod voraus. Dieser wird auf einer Intensivstation nach definierten Kriterien festgestellt. Die Prozedur setzt die Fortführung von lebensverlängernden Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Kreislaufs voraus, um die Funktion der für die Organspende vorgesehenen Organe aufrecht erhalten zu können.

Ist der Hirntod eingetreten, kann es zu einer begrenzten Verlängerung der intensivmedizinischen Maßnahmen bis zur Organentnahme kommen. Dies ist nach Auffassung der Bundesärztekammer auch dann gerechtfertigt sein, wenn der Patient in seiner Patientenverfügung den Wunsch nach Therapiebegrenzung dokumentiert hat.

Aufgrund der Organspendeerklärung ist davon auszugehen, dass der Patient damit einverstanden ist. … Eine isolierte Betrachtung der Patientenverfügung ohne Rücksicht auf die Organspendererklärung würde dem Willen des Patienten nicht gerecht werden.

Nicht so eindeutig ist die Situation, wenn der Hirntod in absehbarer Zeit zu erwarten, aber noch nicht eingetreten ist. Eine Abschätzung des zeitlichen Verlaufs ist in solchen Situationen nur schwer möglich. Eine Verlängerung der intensivmedizinischen Maßnahmen bis zur Dokumentation des Hirntodes kann dann einer vorliegenden Patientenverfügung widersprechen.

Daher kann in diesen Fällen nicht schon aus der Organspendeerklärung des Patienten abgeleitet werden, dass er mit der Fortführung der intensivmedizinischen Maßnahmen einverstanden ist.

Dazu muss man wissen, dass für die Umsetzung der Patientenverfügung der Stellvertreter des Patienten (Betreuer oder Bevollmächtigter), für die Zustimmung zur Organspende die nächsten Angehörigen zuständig sind. Die Entscheidung muss in solchen Fällen mit Stellvertreter und Angehörigen geklärt werden.

In dem Grundsatzpapier der Bundesärztekammer sind die unterschiedlichen Entscheidungssituationen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben können, ausführlich beschrieben und bewertet, was für eine Laien teilweise nicht einfach nachzuvollziehen ist. Interessant sind aber die Formulierungsvorschläge, die zu eindeutigen Formulierungen in Patientenverfügungen beitragen sollen. Dies kann zu einer Entlastung von Stellvertretern und Angehörigen in solch komplexen Situationen beitragen.

Eine fachkundige Beratung beim Abfassen einer Patientenverfügung kann nur noch einmal dringend empfohlen werden.

 

Arbeitspapier zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeerklärung

 

 

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mein Mann und ich haben uns entschieden, eine gegenseitige Patientenverfügung auszufüllen. Können Sie mitteilen, welches Formular notwendig ist. Ich kann leider im Internet nichts Richtiges finden.
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

    Annette Langer

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