Therapiezieländerung am Lebensende

Die moderne Medizin bietet viele Möglichkeiten der Lebensverlängerung, die aber nicht in jeder Situation und von allen Patienten gewünscht werden.

So stellt sich immer wieder die Frage, was am Ende des Lebens noch getan werden kann und was unterbleiben soll. Untersuchungen zu Folge gingen bei sterbenden Patienten im Krankenhaus in etwa 60 % der Fälle Entscheidungen zur Begrenzung der Therapie voraus.

Hierzu kann es im wesentlichen aus zwei verschiedenen Gründen kommen:

  • eine Behandlung ist medizinisch gesehen nicht mehr sinnvoll oder
  • der Patient wünscht ein Unterlassen weiterer medizinische Maßnahmen.

Eine Therapie sollte immer dann beendet werden, wenn nach Auffassung der Ärzte eine Fortführung von bestimmten medizinischen Maßnahmen nicht mehr sinnvoll ist.

In solchen Fällen würde eine Fortführung der Behandlung dem Patienten nicht mehr nützen, im schlimmeren Fall durch Nebenwirkungen der Therapie sogar schaden. Dies kann aber nicht im Interesse des Patienten sein.

Aber auch wenn aus medizinischer Sicht eine Fortführung der Therapie noch möglich wäre, kann es zum Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen kommen, wenn ein Patient seine Zustimmung versagt. Gegen den autonomen Willen des Patienten kann und darf keine weitere Therapie durchgeführt werden. Der Schutz des Lebens, wie er z.B. im Grundgesetz festgelegt ist, darf nicht zum Zwang des Weiterlebens bei fortgeschrittener Krankheit führen.

In den letzten Jahren hat das Prinzip der Patientenautonomie in den Stellungnahmen der Ärztekammern und Fachgesellschaften sowie durch die Gesetzgebung zur Patientenverfügung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Aufklärung bei schwerer, möglicherweise zum Tode führender Krankheit stellt daher eine besondere Herausforderung dar. Sie konfrontiert mit den Grenzen der Medizin und der eigenen Vergänglichkeit. Befragungen von schwer kranken Menschen am Ende des Lebens zeigen aber, dass die allermeisten Betroffenen sich diese offene Kommunikation wünschen.

Wenn die Entscheidung zum Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen getroffen wurde, soll der Patient nicht ohne Behandlung und Begleitung bleiben. Es kommen jetzt schmerz- und beschwerdelindernde Therapien zum Einsatz und eine hospizliche Begleitung sollte erfolgen. Wir sprechen dann von einer Therapiezieländerung. Wenn Lebensverlängerung nicht mehr sinnvoll oder nicht mehr gewünscht wird, gibt es immer noch genug zu tun!

Inzwischen konnte man in mehreren Untersuchungen nachweisen, das eine offene Kommunikation dazu beiträgt, dass Patienten rechtzeitg lindernde (palliative) Therapien erhalten. Ein weiteres Ergebnis zeigen diese Studien: je früher eine offenen Kommunikation nicht nur über die Diagnose sondern auch über die Prognose am Ende des Lebens stattfindet, desto eher gelingt es, die Versorgung in der häuslichen Umgebung bis zuletzt zu ermöglichen. Und das ist es, was sich viele schwer kranke und sterbende Menschen wünschen: die letzte Zeit des Lebens dort zu verbringen, wo sie gelebt haben – zu Hause.

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Bildnachweis: Pixelio

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