Organtransplantation kontra Palliativmedizin?

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) bemüht sich seit längerem durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Werbekampagnen das Spenderaufkommen in der Bundesrepublik zu steigern. Etwa 12.000 Patienten warten derzeit in der Bundesrepublik auf ein Spenderorgan, jährlich sterben rund 1000 Patienten auf der Warteliste.

Als Ursachen für das geringe Spendenaufkommen wurden häufig fehlendes Engagement der Spendenbeauftragten in den Kliniken vermutet. Es wurde unterstellt, dass potentielle Spender nicht gemeldet würden, um den erheblichen organisatorischen Aufwand im Zusammenhang mit der Organentnahme zu umgehen. Eine von der Deutschen Stiftung für Organtransplantation in Auftrag gegebene Studie zeigt jetzt überaschende Ergebnisse.

Das Deutsche Krankenhausinstitut führt in Krankenhäusern ein Projekt zur Förderung der Organspende durch eine sogenannte Inhousekoordination durch. In der wissenschaftlichen Begleitstudie soll insbesondere überprüft werden, inwieweit das Projekt zu einer Erhöhung des Spenderaufkommens geführt hat und welcher organisatorischen und personellen Voraussetzungen für diesen Zweck geschaffen wurden. Erfasst wird der Anteil möglicher bzw. potenzieller Spender im Vergleich zu den Fällen, bei denen eine Organspende tatsächlich realisiert wurde.

Die vertraulichen Zwischenergebnisse, die von mehreren Zeitungen vorab veröffentlicht wurden, zeigen nun andere Ursachen für das geringe Spendenaufkommen. Die niedrigen Spenderraten sind „nicht auf unzureichende Meldungen potenzieller Spender durch die Krankenhäuser zurückzuführen…“. Viele potentielle Organspender werden aufgrund von Willensäußerungen oder Patientenverfügungen nicht mehr intensivmedizinisch behandelt. Statt dessen werden gemäß dem Patientenwillen palliativmedizinische Vorgehensweisen eingesetzt. Eine Lebensverlängerung durch intensivmedizinische Maßnahmen einschließlich künstlicher Beatmung, kreislaufstützenden Maßnahmen etc. ist aber notwendig, um die Voraussetzungen für die Organentnahme prüfen und diese letztlich bei geeigneten Spendern durchführen zu können.

DSO- Vorstand Günter Kirste bestätigte diese Ergebnisse auf Anfrage der Zeitschrift Tagesspiegel. Ob das stets zum Wohle der Patienten sei, lasse er dahingestellt. Erstaunt zeigt er sich, „wie oft die Kliniken inzwischen mit dem Thema Patientenverfügung konfrontiert“ seien. Eine endgültige Veröffentlichung der Studiendaten soll im Frühjahr erfolgen.

 

Weitere Infos:

Frage nach Organspende wird zur Regel
Am Limit
DSO – Deutsche Stiftung Organtransplantation

 

Bildnachweis: istockphoto.com

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