Beratung zur Patientenverfügung – aber wie?

Nach den vorangegangenen Blog-Beiträgen sollte deutlich geworden sein, wie wichtig eine kompetente Beratung zur Erstellung der eigenen Patientenverfügung ist.

Aber was zeichnet eine gute Beratung aus?

Wichtig sind soziale und ḱommunikative Kompetenz, fachliche Informiertheit, aber auch Offenheit des Beraters bezüglich Form und Inhalte der Verfügung.  Der Berater muss in der Lage sein, seine eigenen Wertvorstellungen zurückzunehmen, um dem Betroffenen eine individuelle Vorsorge für das Lebensende zu ermöglichen. Denn eine allgemein gültige, normierte Patientenverfügung kann es nicht geben.

Zunächst sollte im Gespräch geklärt werden, warum und aus welcher konkreten Lebenssituation heraus die Idee zur Vorsorge am Lebensende entstanden ist. Oft entsteht der Wunsch aus einer konkreten Betroffenheit, aus einem beeindruckenden Erlebnis heraus. Die bisherigen Erfahrungen mit Sterben und Tod spielen eine große Rolle und sollten angesprochen werden. Neben diesen biografischen Faktoren spielen die konkreten Lebenszusammenhänge, das soziale Umfeld des Betroffenen ein entscheidende Rolle. Zu erörtern wäre, welche Erwartungen an Familie und Freunde gestellt werden und ob diese Erwartungen realistisch sind und erfüllt werden können, wenn es z.B. um die Übernahme einer Vollmacht durch Familienangehörige geht.

Erst dann können all die Informationen, die wichtig sind für die Vorsorge im Falle einer schweren Krankheit und am Lebensende besprochen werden. Dazu gehören aus ethisch-juristischer Sicht:

  • erlaubte und nicht erlaubte Formen der Sterbehilfe in Deutschland
  • Vorsorgemöglichkeiten durch eine Patientenverfügung
  • Vollmacht und Betreuungsverfügung im Vergleich
  • Aufgaben des Betreuungsgerichtes
  • der mutmaßliche Wille – wann und wie er bestimmt werden muss
  • Umsetzung einer Patientenverfügung im Ernstfall
  • Gültigkeit und Grenzen einer Patientenverfügung

In einer Patientenverfügung müssen konkrete Situationen, in denen diese gelten soll, und konkrete Maßnahmen, die dann unterbleiben oder umgesetzt werden sollen, formuliert sein. Informationen sind deshalb notwendig z.B. zur Abgrenzung von Krankheitsbilder mit schlechter (infauster) Prognose, schwerer Schädigung des Gehirns sowie der Sterbephase.

Bei den konkreten Maßnahmen tauchen bestimmte Festlegungen häufig in Patientenverfügungen auf. Es sind dies die Situationen, die am Ende des Lebens immer wieder zu Streitfragen bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führen können. Die Beratung muss deshalb folgende Themen umfassen:

  • Fragen der Therapiebegrenzung und Therapiezieländerung
  • künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr am Ende des Lebens
  • Wiederbelebung (Reanimation) bei plötzlichem Herz-Kreislaufstillstand
  • Fragen der Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden und ihre Nebenwirkungen

Erst zuletzt stellt sich dann die Frage der konkreten Umsetzung. Hier sollte der Berater nicht auf ein bestimmtes Formular festgelegt sein, sondern entsprechend der erhobenen persönlichen Informationen einen individuellen Vorschlag mit dem Betroffenen entwickeln und dann in einer geeignete Form, ggf. natürlich auch mit Hilfe eines Vordrucks umsetzen können. Wenn bereits konkrete Erkrankungen eingetreten sind, die möglicherweise die Lebenszeit des Betroffenen beschränken können, müssen auf die sich daraus ergebenden konkreten Fragen und mögliche Krankheitsverläufe eingegangen werden. Auch hierzu gibt es entsprechende Vordrucke, welche aber nur nach ärztlicher Beratung verwendet werden können.

Die Erstellung einer Patientenverfügung ist eine Prozess, der nicht in kurzer Zeit nebenher erledigt werden kann. Er erfordert eine intensive eigene Auseinandersetzung mit den genannten Themen unter kompetenter Begleitung. Informationen und Materialien hierzu erhält man bei den Hospizinitiativen. Diese können dann an kompetente Berater verweisen.

 

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