Vorsorge für das Ende des Lebens

Immer mehr Menschen wünschen sich auch für die letzte Zeit ein selbst-bestimmtes Leben. Aber nur ein Teil der Menschen in unserer Gesellschaft haben diese Überlegungen konkretisiert, dokumentiert und mit ihren Angehörigen kommuniziert. Nach einer Untersuchung der Hospizstiftung sind es bei den über 65-jährigen etwa 25 %, die eine Patientenverfügung verfasst haben. Immerhin war die Tendenz in den letzten Jahre steigend, wozu möglicherweise auch die Diskussionen über eine Gesetzgebung zur Regelung von Patientenverfügungen beigetragen hat.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie Sie sich Ihr Lebensende vorstellen:

  • wo Sie am Ende des Lebens versorgt werden möchten,
  • wer Sie dann begleiten und pflegen soll und
  • wer Entscheidungen treffen darf, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, für das Ende des Lebens Vorsorge zu treffen. Nach der seit September 2009 vorliegenden gesetzlichen Regelung im Betreuungsrecht versteht man unter einer Patientenverfügung eine Festlegung, ob der Betroffene in einer benannten Lebens- und Behandlungssituation bestimmte Behandlungen wünscht oder ablehnt.

Zunächst müssen also bestimmte Szenarien beschrieben werden, in denen die Verfügung gelten soll. Hier empfiehlt es sich, konkrete Situationen, bei denen es am Ende des Lebens immer wieder zu Entscheidungsproblemen kommen kann, zu benennen. Dazu gehören z.B. ein fortgeschrittenes Stadium einer Demenz oder andere neurologische Abbauerkrankungen, das Endstadium einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, schwere Schädigungen des Gehirns sowie die eigentliche Sterbephase.

Dann kann verfügt werden, was in solchen Situationen getan oder unterlassen werden soll. Häufig werden in Patientenverfügungen lebenserhaltende Maßnahmen und Therapieformen wie z.B. künstliche Ernährung, künstliche Beatmung oder Wiederbelebung bei Herz-Lungen-Versagen angesprochen. Die Verwendung eines geeigneten Formulars ist nach der neuen Regelung möglich und sinnvoll.

All das hört sich kompliziert an und ist auch nicht einfach umzusetzen. Zunächst muss ich mir über meine eigenen Wertvorstellungen, Ängste und Hoffnungen Klarheit verschaffen. Aus diesen allgemeine Vorstellungen heraus muss dann die oben beschriebene Konkretisierung nach Situationen und Maßnahmen erfolgen. Hierzu sollte man sich kompetente Hilfe und Beratung suchen. Hospizinitiativen bieten in der Regel Informationen und Unterstützung bei der Selbstfindung in diesen Fragen an.

Sinnvoll ist es, diese Patientenverfügung mit einer Vollmacht für die medizinische Betreuung zu kombinieren. Wenn sie ihre Entscheidungen am Ende des Lebens irgendwann nicht mehr selbst treffen können, benötigen Sie einen Stellvertreter. Dieser muss aber formal legitimiert sein. Auch nähere Angehörige benötigen diese Legitimierung und können nicht automatisch diese Rolle übernehmen. Das ist so im Betreuungsrecht konkret festgelegt. Eine Form der Legitimierung ist die genannte Vollmacht. Für die Vollmacht ist es dringend empfehlenswert, einen geeigneten Vordruck zu verwenden, da es zahlreiche Vorschriften und Regelungen gibt, die eingehalten werden müssen, damit eine Vertretung möglich wird.

Wenn keine Vollmacht für medizinische Belange vorhanden ist, muss ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden. Dazu ist das Betreuungsgericht zuständig, das auf Antrag entscheidet. In der Regel werden nähere Angehörige zu Betreuern bestellt. Durch die rechtzeitige Formulierung einer Vollmacht kann dieses Verfahren zur Einsetzung einer gesetzlichen Betreuung aber vermieden werden.

Wenn Sie sich soweit vorgearbeitet haben und die eigene Patientenverfügung in Händen halten, sollten Sie sie nicht einfach beiseite legen. Nicht jede Situation am Ende des Lebens kann in einem solchen Formular dargestellt werden. Wenn eine solche unbestimmte Situation eintritt, muss ihr Vertreter mit den behandelnden Ärzten Ihren mutmaßlichen Willen bestimmen, der dann zur Grundlage einer Entscheidung gemacht wird. Wenn Sie aber nie mit Ihren Angehörigen und Ihrem Vertreter über Ihre persönlichen Vorstellungen zur Betreuung und Begleitung in der letzten Phase Ihres Lebens gesprochen haben, werden diese Ihre Wünsche auch nicht umsetzen können.

Eine schriftliche Patientenverfügung kann deshalb das persönliche Gespräch in der Familie und mit Freunden über das Ende des Lebens nicht überflüssig machen sondern nur ergänzen.

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