Septembertee – oder das geliehene Leben

Renan Demirkan, Schauspielerin und Autorin, kam mit 7 Jahren in die Bundesrepublik. Aus politischen Gründen verließ die Familie im Rahmen der türkischen Staatskrise 1961 ihr Land, um in der neuen Heimat niemals ganz anzukommen.

“ Wer sein Mutter verliert, verliert eine ganze Welt.“ Der vorzeitige Krebstod der Mutter lässt die Autorin zurückblicken auf ihre Kindheit am Rande der Gesellschaft, das arbeitsreiche Leben der Mutter, die sich mit aller Kraft um die Familie sorgt. Sie reflektiert die Beziehung zum Vater, einem stillen, introvertiertem Intellektuellen, der sich für Beethoven, Literatur und Schachspielen interessiert, und letztlich durch den Tod seiner Frau verstummt und vereinsamt.

Die Familie begleitet den Leichnam der Mutter in die Türkei. Dort in der Heimat der Familie wird der Tochter deutlich, was die Mutter in der Zeit in Deutschland vermisst haben muss. Sie findet sich allmählich hinein in die für sie anfänglich fremden Rituale. „Ich saß da wie eine fremde Pflanze, in ihre Sippe gestopft, aber die Erde zwischen uns war weg.“

Renan Demirkan hat ein sehr persönliches, berührendes Buch geschrieben über das Leben zwischen den Welten, über ihre Erfahrungen einer „Deutschen mit Migrationshintergrund“.

Ein Ich wird man nicht allein, ein Ich braucht ein Gegenüber, das antwortet. Niemand kann von sich aus Teil der Gesellschaft werden, wenn die Gesellschaft ihm keinen Platz anbietet. … In diesem Buch möchte ich beschreiben, welche Berührungen mein Wachsen und Verwachsen begünstigt, behindert und gefördert haben.

Auch in der hospizlichen Arbeit ist die Diskussion um Familien mit Migrationshintergrund und deren Probleme am Lebensende angekommen. Mehr als jedes Fachbuch möchte ich dieses autobiografische Buch allen hospizlich und palliativ tätigen Menschen ans Herz legen.

.

Renan Demirkan
Septembertee oder Das geliehene Leben
Gebunden, 176 Seiten
Aufbau Verlag
ISBN 3746625866

Schreibe einen Kommentar